History - Die Weißwurst-Rallye

Hainbach-Biebingern
Hainbach-Biebinger erfliegen sich den zweiten Gesamtsieg der Saison

ADAC-Rallye Bavaria

22. / 24.9.
Zur Tradition der Rallye Bavaria gehört es seit Jahren, daß sie zur Zeit des Oktoberfestes stattfindet, daß es Weißwürste gibt und daß sie von einem "Bayersichen" gewonnen wird.

Die Konkurrenten: Aus Italien erschien Maurizio Verini auf einem Werks-Fiat 124 Coupé.
Lars Carlsson - bei der Olympia-Rallye auf einem Gruppe-1-Ascona unter den ersten Zehn - trat mit einem Spezial-Ascona unter Irmscher-Flagge an.
Offensichtlich hatten aber er und sein Co-Pilot Walther (Fulda) zu wenig Streckenkenntnis, um hier ein erfolgreiches Gastspiel zu geben.

BMW hatte außer Zweibäumer auf seinem üblichen 1600er fast nur Gruppe-1-Fahrzeuge mit aussichtsreichen Fahrern am Start. Hainbach/Biebinger auf einem 2002 tii wollten an ihren Erfolg auf dem gleichen Wagen bei der Olympia-Rallye anknüpfen und hatten wohl die beste Vorbereitung. Immerhin vertrauten ihrem Gebetbuch unter anderem die ersten vier des späteren Gesamtklassements.
Raschig/Linzen fuhren den zweiten Werkswagen, ein 3-Ltr.-Coupé, ebenfalls das gleiche Serienfahrzeug wie bei der Olympia-Rallye. Horscht Rausch (Schlüchtern), Gerd Mayr (Böblingen) und Gerhard Gottlieb (Berlin) waren auf ihren 2002 tii alle für einen Platz unter den ersten zehn gut.

Behret/Pitz hatten mal wieder (diesmal jedoch freiwillig) die große GT-Klasse verlassen und waren freilich erst bei der Abnahme in einer "aufgefüllten" Zwei-Liter-Klasse zu finden.


Peter Ottensmann und Peter Brink, beide mit "dicken" Porsche, waren die Angstgegner, die sie aus ihrer angestammten Klasse "herausgeekelt" hatten. Hubert Dehnelt hatte den Wechsel mit seinem Olympia-geprüften Porsche möglich gemacht. Horst Rack schließlich, mit Staatsanwalt Köhler auf dem heißen Sitz, wollte seinen dritten Platz im Mitropa-Cup sichern.
Die "gelben" Opel waren recht dünn vertreten. In Ermangelung von Klaus Miersch, der bei der "Baltic" Punkte für den Opel-Sportpokal holen wollte, waren Dieter Günther mit "Gauleiter" Petersen die einzigen ernstzunehmenden Aspiranten auf einen der vorderen Plätze. Ihr "rollender Schrotthaufen", wie ihr Commodore von einigen spöttisch bezeichnet wurde, ließ aber schon Vorahnungen aufkommen, daß nicht alles gut gehen würde.
Dieter Selzer mit Dr. Bierlich, die wie immer auf einem Gruppe-1-Escort angetreten waren, hatten bei diesem Escort-Pokal-Lauf heiße Konkurrenz durch Soltwedel/Herget, die in dieser Pokalwertung führen.
Die Strecke: Die Strecke war durch ein recht gutes "Gebetbuch", in dem fast alle Sonderprüfungen enthalten waren, mit der Nennungsbestätigung bekanntgegeben worden. Lediglich eine Prüfung auf engen Waldwegen, die zweimal gefahren wurde, und die Truppenübungsplätze Hohenfels und München sollten geheim bleiben. Aber auch sie wurden "redlich" abgefahren, wie die amerikanischen Verbindungsoffiziere dem Veranstalter berichteten.
Den Startort München verließ man nach Westen über die Autobahn. Gleich nach der Autobahnabfahrt Odelzhausen begann eine 35 Kilometer-Etape, die in 27 Minuten zu fahren war. Quer durch Bauernhöfe, deren Besitzer vom Vorwagen mit einigen hochprozentigen Flaschen "geschmiert" waren, ging es über Stock und Stein. "Am bellenden Hofhund - spitz links" - soll in einigen Kurvenaufschrieben dieser Etappe zu lesen gewesen sein.
Die Strecke führte nördlich über die Donau bis zum Truppenübgungsplatz Hohenfels, wo auf 40 Kilometern "Ring-Road" und "Tank-Road" von den Amerikanern eine superschnelle Schotterprüfung abgesteckt war.
Diether Günther
Dieter Günther ist auf Gottlieb aufgedriftet - der zeigt sich recht besorgt.


Rainer Zweibäumer
Rainer Zweibäumer in Aktion

Nach einigen Kurzetappen in Wörth auf den Schotterwegen des Fränkischen Jura kam man in den Bayersichen Wald, wo eine Spezialetape an schlimmste österreichische oder italienische Rallyestrecken erinnerte. Nach einem allzu kurzen Rundkurs auf dem Truppenübungsplatz Regen (3 x 3 km), der den Teilnehmern noch viele Runden lang Spaß gemacht hätte, kam man zur Zwangspause in ein schönes neues Ferienhotel am Brotjackelriegel bei Deggendorf.
Nach einer verlängerten Frühstückspause ging es wieder auf die Strecke, die in der Abwechslung, einmal kurz und hart über Schotter, dann wieder lang mit viel Zeit über Asphaltstrecken zurück nach München führte. Am Abend brachte ein abschließender schneller Slalom auf dem Testgelände von MAN noch einmal die Racing-Reifen zu Ehren, nachdem sie auf der ganzen Strecke fast nicht gebraucht worden waren. - Unschön war an der Strecke, daß die Richtungen auf den Truppenübungsplätzen teils geändert wurden, teils gar nicht angegeben waren.
Man sollte vor der Veranstaltung den Teilnehmern legal die Möglicheit geben, Strecken, die mit höchsten Geschwindigkeiten durchfahren werden, mindestens einmal abzurollen, wie es z.B. bei der Hessen-Rallye in diesem Jahr geschehen ist.
Die Veranstaltung: Bei strahlend blauem Himmel versammelte sich wieder einmal der gesamte deutsche Rallyezirkus. Die Servicebusse von Veith-Pirelli und Kleber, Hunderte von Zuschauern, private Service-Wagen und nicht zuletzt mehr als 180 Teilnehmer sorgten für ein derart buntes BIld, wie es vor wenigen Jahren unter den Rallyes in Deutschland noch allein der "Charbonnieréres" beim Start in Stuttgart vorbehalten war. Neben dem Reifenhandel blühte der Gebetbuchhandel, da sich nur wenige Teams dem zeitraubenden und aufwendigen Training in den entlegensten Ecken Deutschlands unterzogen hatten. Viel Hin und Her gab es bei dem Behret'schen Autowechsel, da man mehrere Stunden brauchte, um die Umnennung in eine Form zu bringen, die dem Sportgesetzt Genüge tat. Nach Einbruck der Dunkelheit ging es auf die Strecke.

Gleich die erste Sonderprüfung auf dem Truppenübungsplatz an der Pheripherie Münchens brachte auf knappen 5 Kilometern den Teilnehmern einige herbe Überraschungen. Nach der Hälfte begann eine Strecke, die allenfalls für Abnahmetests gepanzerter Fahrzeuge geeignet war. Fünfzig Zentimeter tiefe Wellen in Abständen von 2 Metern waren für die Fahrzeuge mitteleuropäischer Autos wirklich kaum geeignet. Glücklicherweise musste diese Prüfung neutralisiert werden, nachdem die Start- und Ziel-Longines-Uhren deutliche Schwächen aufwiesen. Die erste bereits erwähnte Etappe über 27 Minuten sah ganz wenige Fahrzeuge mit Vorzeit. Unter anderem "faßten" hier Rack, Carlsson und zahllose andere Teilnehmer Verspätungssekunden, während nur eine Handvoll die Sollzeit abwarten mußten. Damit war die richtige Stimmung für die erste Spezialetappe auf schmalen Waldwegen bei Pöttmes gegeben. Hier kam das Aus für die Meisterschaftszweiten Behret/Pitz, an deren Leihporsche sich einer der hinteren Stoßdämpfer selbstständig machte und bei dieser Gelegenheit beide Zündkabel ihrer Doppelzündanlage zerfetzte.
Auch Verini, einer der großen Favoriten der Veranstaltung, verließ hier die Strecke, "weil er ein Rad verlor", wie einer seiner italienischen Kollegen versicherte - ob er es jedoch vor seiner Exkursion in die Botanik verlor oder nachher, war nicht mehr festzustellen.

Die nachfolgenden knappen Normaletappen waren äußerst selektiv durch hohe Schnitte und durch Schotterwege, die härteste Anforderungen an die Fahrzeuggestelle der geschundenen Wagen stellten. Einen ersten Reifenwechsel - bei dieser Rallye allerdings nur für wenige Teilnehmer - wurde auf Racingreifen für die Asphalt-Sonderprüfung Painten vorgenommen. Bald danach ging es jedoch richtig zur Sache auf dem entscheidenden Truppenübungsplatz Hohenfels, dessen staubige Oberfläche mit zahllosen unübersichtlichen Kuppen und Kurven zu einem Verbanquespiel bei weit über 100 km/Std. einlud. Teilweise ging das auch ins Auge, so daß die Bananen-Frage: "Was ist krumm und gelb?" diesmal richtig mit "Gruppe-2-Ascona nach dem Rausschmiß" beantwortet werden mußte.

Hainbach
Stilperfektionist Hainbach zeigt vollendetes Schotterfahren.

Staudenhoechtl
Es geht bei der Bavaria "hoch" her - hier Staudenhöchtl/Thesz auf Ford Capri.
Trotz der zahlreichen Gebetbücher gab es auch in den folgenden Kurzetappen noch Möglichkeiten zum Verfahren, die auch weidlich genutzt wurden.
Bei der Zwangspause am frühen morgen stand schließlich das provisorische Gesamtklassement im wesentlichen bereits fest. Reiner Hainbach hatte trotz seines Gruppe-1-Wagens alle verbliebenen Gegner überspielt und lag mehrere Minuten vor "Zachi" Zweibäumer, der widerum vor den fast zeitgleichen Brink und Raschig lag. Auf dem weiteren Weg verabschiedeten sich noch Günther/Petersen, deren überforderter Commodore "die Füße auseinanderstreckte". Nach zahlreichen, nichts mehr entscheidenden Kurzetappen kam man zum abschließenden Slalom im MAN-Gelände. Hier sorgte der nunmehr sichere Meister Zweibäumer für die "Schau", der mit seinen überbreiten Racingreifen dicke Striche biem Beschleunigen und beim Bremsen an den engen Schikanen zog.

Der nächste Morgen - stilecht eingeleitet durch ein traditionelles Weißwurstessen im Münchner Rathaus - zeigte dann das Endergebnis.

Helle Bein
Helle Bein

Gesamtklassement:
1. Hainbach/Biebinger, BMW 2002 tii, 1456 Pkt. - 2. Zweibäumer/Schons, BMW 1602, 1628,8 Pkt. - 3. Bring/Peter, Porsche 911, 1751,2 Pkt. - 4. Raschig/Linzen, BMW 2800 CS, 1795,9 Pkt. - 5. Rausch/Fischer, BMW 2002 tii, 2098,9 Pkt. - 6. Janssen/Maier, Ford Capri 2600 RS, 2171,0 Pkt. - 7. Selzer/Bierlich, Ford Escort GT, 2245,6 Pkt. - 8. Soltwedel/Herget, Ford Escort GT, 2246,4 Pkt. - 9. Tita/Zech, BMW 2002, 2275,1 Pkt. - 10. Blocker/Voss, Opel Ascona 1900, 2278,3 Pkt..

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